Archive | September 2015

Der Hundezug

Leute, war das ein heisser Sommer, was? Mir klebt jetzt noch das Fell, wenn ich an die hohen Temperaturen der letzten Monate denke. Mein Tagesablauf lief total auf dem Ruder. Am Tage schlief ich und in der Nacht liess Mama mich auf den Balkon. Frische Luft muss sein, aber ich hab’s dort erst nach Mitternacht aushalten können. Einen Vorteil hatte das Ganze schon. Nachts schwirrt es draussen vor Faltern, Spinnen, Mücken, Motten… alles lecker, alles nahrhaft, alles gut! Und was meint ihr, wie schnell die tiefschlafende Mama aus dem Bett springen kann, wenn ich eines der Tierchen (oder auch nur ein halbes) sanft auf ihr Kopfkissen platziere. Hahahaha…

hundezugJetzt ist es aber kühler, ich bin tagsüber wach, fresse nur noch Sheba und habe mehr Zeit euch Neuigkeiten zu erzählen..

Hunde sind ja nicht so meins. Habt ihr bestimmt schon mitbekommen. Deshalb kann ich nur mit den Schnurhaaren zucken, wenn ich sehe, was der Texaner Eugene Bostick (das ist der ältere Knabe hier auf dem Traktor) so in seiner Freizeit treibt.

Na gut, eigentlich macht er etwas ganz Tolles. Er rettet nämlich Hunde. In einem Interview erzählte er, dass er an einer Strasse wohne, wo besonders viele herzlose Menschen Hunde aller Rassen und jeden Alters einfach aussetzen, ganz gemein an einem Pfahl anbinden oder einfach auf den Müll werfen. Grausam ist das. Was geht nur in den Köpfen dieser Leute vor? Was denken die? Dass wir keine Seele und Gefühle haben? Dass wir Wegwerfartikel sind? Machen die das auch mit ihren Kindern so? Ich hoffe, diese Leute gehen direkt in die Hölle. Puh.. ich reg mich schon wieder auf. Freuen wir uns, dass Tierliebhaber wie Eugene gibt, die ihren Lebensabend damit verbringen, ungeliebten Vierbeinern ein zu Hause zu geben und für sie da zu sein.

Jetzt wohnen schon viele Strubbel auf seiner Farm, die er sich mit seinem Bruder teilt. Er füttert sie, bringt sie zum Arzt und gibt ihnen ein zu Hause. Als er eines Tages einen Traktorfahrer sah, der in einem Hänger aus Fässern Steine transportiere, kam dem Mann die Idee, etwas Ähnliches für seine Streuner zu bauen. Und er begann an seinen Hundezug zu basteln.

Tata… und da is’ er. Mit seinem Mini-Traktor zieht er nun 9 zurechtgeschnittene Fässer auf Rollen hinter sich her. Und darin sitzen seine dankbaren bellenden Mitbewohner. Jeden Tag fährt er mit ihnen durch den Ort und erkundet die Gegend. Das Video dazu verbreitet sich zur Zeit wie verrückt. Jeder will mal gucken, was der Mann da so treibt. Einfallsreichtum kann ihm ja mal keiner absprechen, was?

Nun ja, ich würde meine Pfötchen da sicher nicht reintun. Riecht bestimmt total nach Hund. Ach herrje, was müssen die dann auch immer für einen Lärm machen??? Können die sich nicht hinsetzen und einfach die Futterlucke halten? Typisch Hund… müssen immer den dickem Macker markieren!

Aber hey Eugene, Perserkrallen hoch für so viel Herz und Tierliebe. Ganz tolle Nummer 😉

Miau… Eure Emily

 

Unsere Hochzeitsfeier in Brandenburg

IMG_0141AAm letzten August-Wochenende war ich zum 3. und zum vorletzten Mal eine Braut 😉

Foto Einladung OstNach der standesamtliches Trauung in der Schweiz und der Zeremonie in Weiss auf den Seychellen, war es nun endlich soweit – die beiden Feiern mit unseren Familien und Freunden in der Uckermark und in Franken standen an. Den Anfang machten wir in Brandenburg, im atemberaubenden Schloss Boitzenburg, einem Märchenschloss im Herzen der Uckermark.

Der Tag begann in der Früh beim Friseur. Das Styling braucht doch seine Zeit, aber Paulina hat ganze Arbeit geleistet (wie mein Mann uns mehrfach bestätigte!) und somit waren wir für den Fototermin vorbereitet. Meine Eltern begleiteten uns. Eine Stunde lang machten wir schöne Fotos vor dem Schloss, im Garten und vor dem dazugehörigen See. Eine herrliche Kulisse, wie wir alle fanden. Oder was meint ihr?  🙂 🙂

IMG_5118Gegen drei am Nachmittag trudelten dann die ca. 30 Gäste ein. Die Sonne schien, die Tische draussen waren hübsch gedeckt, der Rose-Sekt wurde gekühlt serviert – da lässt sich die Feier gut an 🙂

Die 3-stöckige Hochzeitstorte war so schwarz-weiss wie mein Kleid, und sie war mit ebenso schwarzen und weissen Blumen dekoriert. Da hat die Tortenmarie ein Kunstwerk fabriziert. Nach einer kleinen Rede unserseits, schnitten wir die Torte an und eröffneten somit eine entspannte Kaffeerunde.

IMG_5107IMG_5108Danach folgte unsere erste Überraschung. Wir buchten nämlich einen Schnellzeichner aus Berlin, der von allen Gästen schöne Karikaturen und Porträts malte.

Zuerst waren Florian und ich etwas unsicher, ob unsere Gäste vielleicht etwas schüchtern reagieren werden, aber weit gefehlt. Es bildete sich sofort eine Schlange, alle wollten gerne ein Bild von sich mit nach Hause nehmen und am Ende blieb der Schnellzeichner um einiges länger als geplant, ging erst als dunkel wurde und er nicht mehr so gut zeichnen konnte. Ein Erfolg auf ganzer Linie 🙂 Sogar der DJ liess sich malen. Mehrfach bedankten sich die Gäste und meinten, wie aussergewöhnlich das war. Das machte uns als Gastgeber sehr, sehr glücklich, alle Sorgen vorher waren wieder vollkommen umsonst gewesen, is’ ja meistens so… 🙂

IMG_5115IMG_5113Am späten Nachmittag liessen wir Herz-Luftballons mit Wunschkarten, auf denen die Gäste liebe Grüsse und Wünsche schrieben, in den Himmel steigen (von denen aber leider noch keine Karte zu uns zurückkam). Die Ballons flogen wunderschön über das Schloss hinweg und hoch in den blauen Himmel hinein. Würde uns ja schon interessieren in welchen Dörfern und Bäumen die alle landeten 🙂

Das Wetter liess uns nicht im Stich, am Abend zogen wir aber doch alle gemeinsam in den roten Salon des Schlosses um. Die Tische wurden hübsch und elegant mit Kerzenhaltern und Blumensträussen gedeckt.

Mmmhhh…. pünktlich um 7 begann das Abendessen. Wir bekamen ein herrliches  5-Gang-Menü mit Garnelen und Feldsalat, einem Tomatensüppchen, gedünstetem Wels auf einem Paprika-Mango-Bett, einer Trilogie vom Reh als Hauptgang und schliesslich Marillenknödel zum Dessert serviert. Lecker…lecker… lecker….

IMG_5138Zwischen den verschiedenen Gängen des Menüs präsentierten wir den Gästen unsere nächste Überraschung. Hahahaha – Überraschungen hatten wir tatsächlich einige…

Wir buchten Stepcrazy, eine Irish-Dance-Truppe aus Berlin. Papa mag Irish Dance und Lord of the Dance und all das so gerne und war ganz aus dem Häuschen.

Die drei Tänzer zeigten 3 Mal eine ca. 10-minütige Show bestehend aus Irish Dance, Stepptanz und ein paar coolen akrobatischen Stunts. Sie gaben sogar eine Zugabe. Die Verwandtschaft und unsere Freunde waren total begeistert und machten ordentlich Stimmung.

Zu der Zeit wurden Florian und ich schon etwas nervös, denn unser Hochzeitstanz stand uns noch bevor. Wir müssen leider gestehen, dass wir beide nicht die grössten Tänzer sind. Im Gegenteil. Deshalb nahmen wir in Cluj auch ein paar Privatestunden. Unser Lied war der Titelsong aus dem Film Zorro “I want to spend my lifetime loving you”, gesungen von March Anthony.

IMG_5168IMG_5167Zusammen mit der Tanzlehrerin studierten wir eine kleine Choreographie ein. Nix wahnsinnig kompliziertes, aber schon eine kleine Herausforderung für uns Tanzmuffel. Zu Hause übten wir ein paar Monate lang, aber eben – die Aufregung so kurz vor der Premiere war doch gross. Als Clou und Aha-Effekt hatten wir ein zweites Hochzeitskleid dabei. Wir verschwanden also ins Hotelzimmer, Florian welchselte seine Fliege von schwarz-weiss zu einer roten und ich tauschte mein Hochzeitskleid, auch von schwarz-weiss zu rot-weiss – passend zu Zorro 🙂

Die Musik setze ein, Florian wartete auf mich, ich betrat von hinten die Bühne … und los ging es. Der Tanz war dann auch super und hat uns so viel Freude gemacht, auch wenn wir 2, 3 kleinere Patzerchen drin hatten. Ach, hat bestimmt keiner gemerkt!. Wir hatten Spass, das ist das was zählt. Manch einer hatte Tränen in den Augen und es hat allen Gästen gefallen. Puh …. manch ein Gast hatte auch etwas länger gebraucht, bis er mich im neuen Kleid erkannte.

Na also.. jetzt kann die Party losgehen 🙂

Eine schöne Überraschung hatten wir aber später noch!! Der DJ beorderte die gesamte Gesellschaft auf den Balkon. Dann begannen vor dem See unsere Initialen mit einem Herz in einem Boden-Feuerwerk zu leuchten… so romantisch. Und schliesslich …. peng… peng.. peng… begann ein spitzenmässiges Feuerwerk. Insgesamt 6 Minuten lang standen wir dort auf dem Balkon und staunten vor uns hin. Man hörte “uhhhs” und “aahhhs” und ich glaube, jeder hatte ein wenig Gänsehaut und erlebte etwas wahnsinnig Schönes. Das Finale des Feuerwerks war der Hammer. Wow!

IMG_5180IMG_5175Für mich war das auch das Highlight der Feier, andere fanden, dass unser Tanz das Highlight war und die meisten sagten, dass der Tag von Anfang bis Ende ein Träumchen war. Meine Mama bekommt heute noch Anrufe von Gästen, die darüber erzählen möchten.

Wir tanzten, lachten, tranken, scherzten…. bis um ca halb 3 die letzten Gäste Adieu sagten und Florian und ich überglücklich aber auch sehr müde ins Bett fielen. Als Abschiedsgeschenk bekam jeder Gast etwas Kleines – hübsche Seifen für die Frau und dekorative Weinflaschenverschlüsse für die Herren. Und die Blumensträusse von den Tischen verteilten wir an die Damenwelt.

IMG_0194AJa, das war das erste Fest. Ein Jahr Planung und ein bisschen Aufregung vorher haben sich in einem traumhaft schönen Tag verwandelt, an den wir noch ganz oft denken  und auch immer mal wieder davon erzählen werden 🙂

Vielen Dank an alle Gäste, dass ihr mit uns gefeiert habt, dass ihr die Zeit im Schloss genossen habt und dass ihr einfach so eine liebe und lustige Meute seid!!!

Eure Cindy

 

Deutsche Bunker in Rumänien

Dass ich ein grosses Interesse für die militärischen Vorgänge im 2. Weltkrieg habe, hat sich ja schon herum gesprochen. In meiner Zeit in Nürnberg hatte ich schon viele Ausflüge in die umliegenden Wälder unternommen und mich auf die Spuren der Wehrmacht und den Einfallsrouten der Amerikaner begeben. Viele Spuren gibt es leider nicht mehr, da die Wälder systematisch bewirtschaftet werden und es somit kaum noch etwas “Neues” zu entdecken gibt.

Hier in Rumänien ist das ein wenig anders 🙂
Bei einem unserer Ausflüge, wurde ich von unserem Guide gefragt, ob ich die “Casemata” sehen möchte, wo sein Grossvater vor fast genau 70 Jahren mit den Deutschen gegen die Russen gekämpft hat. Natürlich habe ich ja gesagt und schon waren wir im Auto gesessen und sind zu den Stellungen gefahren. Was wir dort gesehen haben, hat mich so stark beeindruckt, dass ich Cindy überzeugen konnte, heute nochmals mit mir hinzufahren und mit Stirnlampe und Klappspaten etwas tiefer in die Geschichte abzutauchen. Natürlich war sie sofort dabei 🙂

Die Stellungen liegen ca. 30km nördlich von Klausenburg in einem Eichenwald auf einem Hügel. Strategisch sehr gut, da sie durch den Laubwald gut getarnt sind, gleichzeitig aber auch einen fast 180° Blick über das umliegende Gelände bieten.
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Nach einer sehr holprigen Anfahrt haben wir einen guten Platz gefunden, das Auto abzustellen und sind sofort auf die Suche gegangen. Es hat keine 5 Minuten gedauert und schon hatten wir den ersten Unterstand vor uns. Zack die Stirnlampe montiert und mal sehen, was hinter dem Eingang noch zu finden ist. Die Holzteile sind nach 70 Jahren schon sehr verrottet und die Unterstände sind teilweise schon eingestürzt, aber in einige kann man tatsächlich noch hineingehen.
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Insgesamt haben wir 5 dieser Unterstände gesehen, die alle durch Schützengräben verbunden waren. Die Gräben kann man leider nur noch erahnen, aber wenn man ihnen folgt kommt man tatsächlich zum nächsten Unterstand.
Alle drei Stellungen, in die ich hineingeklettert bin, waren identisch angelegt. Eine Treppe aus Sand führt zum Eingang mit einem ca. ein Quadratmeter grossen Vorraum. Im Vorraum geht es im 90° Winkel nach rechts oder lins in einen weiteren ca. ein Quadratmeter grossen 2. Vorraum. Diese Konstruktion sollte wahrscheinlich vor Splittern schützen, sollte eine Granate die Treppe treffen. Nach dem 2. Vorraum kommt der eigentliche Schutzraum, der geschätzt 5 Meter lang und 1,5m hoch ist und dieser wird durch eine schwere Holztüre (ca. 20 cm massiv) geschützt. Am anderen Ende des Schutzraums konnte ich eine zweite Türe und einen Luftschacht erkennen:
Eingang mit Treppe rechts:
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1. Vorraum
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2. Vorraum mit Tür
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Untertand mit 2. Tür und Luftloch
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Schützengraben zwischen den Stellungen
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Es ist schon sehr beklemmend, allein und ohne der Tatsache, dass einen Jemand umbringen möchte, in diesen Stellungen zu sein. Die Vorstellung, dass hier Menschen grausam umkamen, hat uns beide sehr bedrückt. Als es schliesslich zu regnen angefangen hat, haben wir uns entschlossen zurück nach Hause zu fahren.

Es wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass wir hier rund um Cluj-Napoca derartige Stellungen oder Zeugen der Kämpfe aus dem zweiten Weltkrieg zu sehen bekommen. Klassenburg war im Oktober 1944 Frontstadt und Zeuge des grössten Kampfgeschehens in Transilvanien während des ganzen Krieges. Leider gibt es nur sehr wenig Dokumentation über diesen Abschnitt des Krieges. Obwohl die 6. Armee in den Rückzugskämpfen und deren zweiten Vernichtung in Rumänien die Verluste (Tote und Vermisste) höher waren, als bei ihrer Vernichtung und Auflösung in Stalingrad, gibt es nicht einmal einen Eintrag im Kriegstagebuch des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) zu dieser Periode. Kriege sind grausam und sinnlos!