Archive | January 2014

Unsere Lapplandreise

Zugegeben, Winter war noch nie meine Lieblingsjahreszeit. Ich sage oft, wäre ich ein Tier, würde ich Anfang Oktober einschlafen und Ende März wieder aufwachen. Auf der Suche nach Ideen für unseren Resturlaub stiess ich aber auf ein Angebot, das auch meine Abenteuerlust weckte und Florian zum Strahlen brachte (der liebt den Winter, aber das wisst ihr ja).

Arktis Reisen Schehle in Kempten (Werbung ist hier durchaus angebracht) bietet Aktivurlaub am Inarisee, ganz oben im Norden Finnlands, an. 5 Tage täglich wechselndes Programm und Zeit für Erholung verrieten einen guten Mix. Also buchten wir den Trip und erlebten nach Sardinien unseren 2. gemeinsamen Traumurlaub.

Los ging es an einem Samstag. Das Herz brach erst einmal, als wir Emily zur Tierpension brachten. Welche Mutter gibt schon gerne ihr Kind weg?? Ganz egal, ob das Kind 2 oder 4 Beine hat 😉

DSC02452Abends flogen wir mit Finnair nach Helsinki und blieben dort über Nacht in einem Airport Hotel. Am Sonntag Morgen ging unser Flug weiter nach Ivalo. Wir landeten um 13 Uhr und draussen setzte schon die Dämmerung ein!! Unser Chauffeur fuhr uns 50 Min weiter nord-östlich nach Nellim, einem kleinen Dorf an der russischen Grenze. Es war stockdunkel, als wir ankamen.

Die Hotelanlage gefiel uns auf Anhieb. Es funktionierte bis 1998 als Schule (wir sollten auch Leute kennen lerne, die diese Schule tatsächlich noch besuchten,) und besteht aus mehreren Gebäuden. Wir bekamen ein DZ mit eigener Sauna – ein wahres Stück Luxus . Die Lobby und das Hauptgebäude könnte genauso gut eine Skihütte hier bei uns in den Bergen. Viel Holz, mehrere Kamine und eine romantische Atmosphäre.

DSC02469DSC02470Am Montag begann unser Programm mit Langlauf. Ich stand noch nie auf Skiern und hab mich mehrmals auf Gesicht gelegt. Besonders doof stellte ich mich in den Kurven an, aber hey, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Unsere Gruppe bestand nur aus uns und einer englischen Familie. Die machten das übrigens auch zum ersten Mal. Unterwegs sahen wir sahen wildlebende Schneehühner. Meinen ersten Versuch als Schneehase auf Skiern beendete ich müde, aber zufrieden. Flori war happy und kurvte durch die Gegend wie’n Wilder… der weiss ja auch wie’s geht!!!

DSC02486DSC02496Am Dienstag fuhren wir für 2 Stunden mit dem Huskyschlitten durch die Prärie. Flori fuhr und ich sass im Schlitten und liess mich kutschieren. Sehr kalt war das, aber was für ein wunderbares Gefühl, sich von 6 schönen Hunden ziehen zu lassen. Und Leute, diese Hunde haben Power. Die sind nicht zu bremsen. Unterwegs erreichten auch einige Müffelgerüche meine Nase. Erst dachte ich, Flori konnte sich nicht benehmen, aber der Wind kam ja von vorne. Hahahaha – kleine Huskypupsies waren das. Naja, Bewegung fördert halt die Verdauung. Am Ende der Tour gab’s im Camp was Heisses zu trinken und der Guide plauderte fröhlich über Gott und die Welt. Er zeigte uns noch 3 Monate alte Huskybabies. So süsse kleine Rabauken.

DSC02511 DSC02518Am Mittwoch fand der Rentiertag statt,. Wir fuhren mit den Snowmobils zur Farm von Hannopekka (zu deutsch Hanspeter) und zusammen mit dem Guide fütterten wir Rentiere und streichelten sie. Ich fand diese Rentiere wahnsinnig toll, Flori war eher wegen der Snowmobils ganz ausm Häuschen. So kam jeder auf seine Kosten :-). Anschliessen fuhren wir über Teile des Inari Sees, assen Lunch am Lagerfeuer und lernten, wie man eisfischt.

DSC02560 DSC02567Abends um 21.30 fuhren wir erneut in einer Gruppe mit dem Schlitten raus und warteten auf Polarlichter. Es ist immer eine Lotterie, ob man welche zu sehen bekommt oder nicht. Planen lässt sich das natürlich nicht. Uns muss der liebe Herrgott wohlgesonnen gewesen sein, denn um Mitternacht, kurz bevor wir zurück zum Hotel fahren wollten, zeigten sich sehr schöne und grosse Nordlichter. Mit dem blossen Auge sehen sie natürlich nicht so grün aus, die Kamera macht sie so gestochen scharf und leuchtend grün. In der Natur sehen sie Wolken ähnlich. Sie sind grau mit einem Grünstich, der manchmal ins gelbliche geht. Unbeschreiblich war das. Die Lichter kommen und verändern sich in fliessenden Übergängen. Dann verschwinden sie und tauchen an einer anderen Stelle wieder auf, ein aufregendes Naturspektakel mit Bildern, die sich in unseren Köpfen eingebrannt haben.

DSC02639Donnerstag war Flori-Tag, denn wir machten endlich die Schneemobiltour, auf die er sich schon so lange freute. Unsere Gruppe war recht klein. Eigentlich gab es nur uns beide und den Guide, welcher sich als Hotelchef entpuppte. Cool! Die Tour ging querbeet über riesige Seen, durch Wälder und, zu Floris grosser Freude, durch unwegsames Gebiet. Es war alles geboten, inklusive offenes Wasser, was nicht ungefährlich ist und herausragende Baumstämme, die unser Gefährt beinahe zerpflückt hätten. Ich sass hinten aufm Sozius drauf und ging durch alle Emotionen. Geluncht wurde in der privaten Ferienhütte des Hotelchefs. Mitten in der Pampa hat er sich eine richtig hübsche kleine Hütte gebaut. Daneben steht die Hütte mit dem Plumpsklo, wiederum daneben steht die Hütte mit der Sauna. Herrlich… da würde ich auch Urlaub machen wollen.

Nach gut vier Stunden waren wir zurück im Hotel und erlebten eine Überraschung. Die Rezeption kündigte eine grosse Busladung neuer Gäste an. Alles englische Familien mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Das Hotel bietet jedes Jahr ein Weihnachtserlebnis für Kinder an: mit Plätzchen backen, Rudolf streicheln, Baum schmücken, und der finnische Weihnachtsmann, der die Geschenke brachte, durfte natürlich auch nicht fehlen. Ja, an dem Abend war es mit der Ruhe in der Abgeschiedenheit vorbei. Das Kindergeschrei war sicher noch in Russland zu hören.

DSC02654 DSC02689Am Freitag stand eine geführte Schneeschuhtour auf dem Plan. Unser Guide war wieder Jonas, der uns schon beim Langlauf immer wieder zurück auf die Beine halt. Schneeschuhwandern ist toll. In Lappland ist es aber noch tausend mal besser, weil man durch eine kaum berührte Landschaft stakst. Unterwegs sahen wir Schneehühner und Rentiere. An der Futterstelle der Rentiere frassen sie uns wieder aus den Händen und wir sahen das erste Mal Albino Rentiere, so weiss wie Schnee sind sie, traumhaft schöne Tiere. Mittag gabs wieder am Lagerfeuer und auf dem Heimweg fand Flori unterm Schnee versteckt ein Rentiergeweih. Rentiere stossen im Herbst die Geweihe ab und die Züchter sammeln sie ein, wenn sie sie finden, verkaufen sie oder machen Gegenstände daraus. Flori hätte seinen Fund gerne mitgenommen, aber es hätte sich nur schwer transportieren lassen. Der Wert ist nicht überragend. Man bekommt in Lappland pro Kilo rund 12-15 Euro. Also schenkten wir es Jonas. Er macht Messer daraus. (Schöne Messer lassen sich daraus machen, wie wir schon vorher sahen. Flori hat sich eines im Hotel gekauft, welches schon beim einen oder anderen Apero hier bei uns zu Hause zum Einsatz kam.)

Dann kam der Samstag. Unser freier Tag – keine Tour, kein Termin, keine Pläne. Obwohl, das stimmt nicht so ganz, Flori hatte Pläne, aber dazu gleich mehr. Wir nutzen die kurze Hellphase für eine weitere Schneeschuhtour. Nur wir beide, und ein paar Dutzend Rentiere. Es war eine schöne Tour und unterwegs fand Flori wieder ein grosses Geweih, das unterm Schnee begraben lag. Keine Ahnung, wie er das macht. Seine Spürnase hätte ich gerne. Wir schleppten das Ding zurück zum Hotel und schenkten es wieder Joonas, der staunte nicht schlecht und freute sich sehr, dass ausgerechnet er es wieder bekommt.

DSC02743Um 13 Uhr wurde was dunkel und Flori schlug vor, endlich mal die kleine Holzkirche von Nellim zu finden. Sie soll sehr schön sein. Also spazierten wir los. Das Dorf besteht nur aus wenigen Häusern, aber vielen verwinkelten Wegen. War gar nicht so einfach, das Gottesblockhäuschen zu finden, wir hatten es mehrmals versucht, aber im Dunkeln gestaltete es sich sehr schwierig. Aber plözlich, nach gefühlten 10 km, standen wir davor. Der Friedhof ist winzig, aber hübsch. Leider war die Kirche verschlossen, wir hätten sie gerne von innen gesehen. Und dann passierte etwas, worüber ihr ja schon in einem anderen Eintrag von mir lesen konntet: Flori machte mir einen Heiratsantrag 🙂 Vor mir kniend im Schnee mit einem rasend schönen Diamantring. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich konnte es gar nicht glauben. Wir sind verlobt! und ich lief den ganzen Rest des Tages aufgeregt umher und konnte es nicht erwarten, jedem davon zu erzählen. Der Urlaub war vorher schon perfekt, dieses Ereignis macht ihn unvergesslich!!

Sonntag war Abreisetag. Ganz früh um 7 fuhren wir zurück zum Flughafen nach Ivalo, von wo wir über Helsinki zurück nach Zürich flogen. Im Hotel trafen wir noch mal Armi, unsere kleine Küchenfee, die etwas deutsch konnte und ohne Unterlass mit uns plapperte. Wir erzählen ihr von der Verlobung, worauf sie grinsend in den kleinen Hotelladen lief und uns kleine, süsse Rentierlöffel schenkte. So was liebes! Wir haben uns riesig darüber gefreut. Noch einmal zum Abschied feste drücken und dann ging’s wieder Richtung Heimat…

Eure Cindy