Archive | October 2012

Dinner for 5

Am Wochenende luden Flori und ich das erste Mal Gäste zum Dinner in der neuen Wohnung ein. Mein langjähriger Kumpel John kam. Seinerseits Nordire. Mit ihm sinniere ich so gerne übers Leben. Da kann’s schon mal hitzig zugehen.  „Ja, aber… Ja aber… Ja aber… Ja aber….“  John der Realist vs. Cindy die Spiri-Tante. Ich liebe unsere Philosophie Sessions!! Nach 3 Stunden debatieren und 2-3 leeren Weinflaschen stellen wir dann meistens fest, dass alles eh so subjektiv ist und eigentlich keiner wirklich recht hat. Jeder muss seine eigenen Wahrheiten finden. Aber is doch so schön, studenlang über Gott und die Welt zu diskutieren.
Gestern allerdings wurde nicht debatiert, sondern kennen gelernt. Im Hausflur hatten wir schon mehrmals unsere Nachbarn „von oben schräg gegenüber“ getroffen. Beate und Patrick. Sie kommt aus Karlsruhe und er ist ein Engländer. Aus einer Einladung für Drinks ihrerseits wurde eine Einladung zum Essen unsererseits. Sie haben auch eine Katze; Haley. Und die beiden sind genauso vernarrt in ihr Tier wie wir. Sorry, John, für die vielen Katzenstories, die wir uns unbedingt erzählen mussten. Ich glaube, nur wer selber ein Haustier hat, kann verstehen, wieso Herrchen und Frauchen (oder Mama und Papa!) so viele verrückte Dinge tun und so ein riesen Hickhack um das Tier veranstalten. Für uns sind Schlaf- und Essgewohnheiten, Zickereien und komische Attitüden, ihre Lieblingsplätze, Lieblingsspielzeug, kaputt gemachte Wertgegenstände, zerkratzte Sofas, kleine Wehwehchen und Katzen-Toiletten-Missgeschicke die allertollsten Gesprächsthemen.
Beate ist übrigens auch ein Yogi. Sie gibt sogar selbst ab und zu Kurse. Sie meditiert und probiert alles mögliche aus, das mit Spiritualität zu tun hat. Yupppie…. endlich eine Seelenverwandte! Wir verstehen uns! Sie weiss sofort, was ich meine, wenn ich „etwas in eine Wolke packe“ oder „etwas wegatme“.
Alles in allem fanden wir den Abend sehr gelungen. Tolle Gruppe, super Gespräche, gelachte Tränen und ausgiebiges Schlemmen. Es hat auch Spass gemacht, am Nachmittag mit Flori in der Küche zu werkeln und alles vorzubereiten.
Wir haben gestern übrigens erfahren, warum unsere tolle Wohnung frei wurde. Vor uns hat dort jahrelang ein älteres Ehepaar gewohnt. Sie wurde krank und ist dann leider vestorben. Ein paar Monate später musste auch er immer öfter ins Krankenhaus und ist ihr dann im letzten Winter gefolgt. Traurige Geschichte. Zeigt uns wieder eindrücklich, wie endlich unsere Zeit ist. Die beiden machten wohl einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Spiri-Tante Cindy würde meinen, dass wir uns deshalb sofort in der Wohnung so wohl gefühlt haben. Sie steckt halt voller guter Energien von unseren Vormietern. Aber diese Theorie behalte ich mal schön für mich 🙂
 Eure Cindy

Leben und Leben lassen…

Vor fast genau einem Jahr wurde ich im Schweizer Knochenmarkspenderegister aufgenommen. Eigentlich kam ich schon Anfang 2007 auf die Idee, als ich aus Schottland in die Schweiz zog und plötzlich als Blutspender nicht mehr „taugte“. In der Schweiz sind die Vorschriften sehr streng, was Leute betrifft, die in Irland und der UK gelebt haben; was ich natürlich sehr begrüsse. Der Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist im Blut immer noch kaum nachweisbar und man möchte so verhindern, dass sich die tödliche Krankheit auf diese Art verbreitet. Nun ja, meine Blutgruppe ist ja Gott sei Dank sehr weit verbreitet. Müssen halt andere für mich ran!!!
Beim Knochemark verhält es sich anders. Da sind auch wir Ex-UKler erwünscht. Die Registrierung als Knochenmarkspender hätte nicht einfacher sein können. Per Post wurden Speichelproben von mir hin und her geschickt, eine (freiwillige) kleine Spende für die Tests und den Aufwand überwiesen, und schon war ich im System.  Ein System, das übrigens mit allen Ländern weltweit verlinkt ist und momentan ca 18 Millionen Teilnehmer zählt. In den Meisten Fällen einer Erkrankung, die das Knochenmark angreift und demzufolge zu wenig, zu viele oder entartete Blutzellen produziert wird, muss ein geeigneter Spender gefunden werden, der gesunde Stammzellen zur Verfügung stellt. Ist kein geeigneter Verwandter zur Hand, muss so schnell wie möglich ein fremder Spender gefunden werden.  Je mehr Leute sich registrieren lassen, desto höher ist also die Chance, einen „Match“ zu finden. In der Schweiz haben sich bisher rund 36’000 Menschen im Register eintragen lassen. In letzten Jahr wurden 120 von ihnen zur Spende aufgerufen.
Leukämie (auch Blutkrebs genannt) ist sicher die bekannteste Erkrankung. Bestimmte Lymphome, Myelone oder Anämien sind weitere Beispiele. Man sagt, dass in der Schweiz jährlich rund 700 Menschen mit einer Krankheit diagnostiziert werden, die eine Stammzellentransplantation erfordern. Das Thema könnte also irgendwann mal auf jeden von uns zukommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Gewebemerkmale übereinstimmen und man als Spender in Frage kommt ist sehr gering. Ein weiterer Punkt, warum es so wichtig es ist, dass sich so viele gesunde Menschen wie möglich typisieren lassen. Möglicherweise meldet sich mein ganzes Leben lang niemand bei mir. Es kann genauso gut sein, dass man schon morgen meine Stammzellen braucht.
Ganz klar ist auch, dass die eigentliche Spende eine eher unangenehme Erfahrung sein würde. Ich schliesse nicht aus, dass ich vor dem Eingriff Angst bekommen würde, das Ganze plötzlich hinterfrage und Flori Händchen halten und mir gut zureden müsste. Aber ich würde auf keinen Falll einen Rückzieher machen. Denn im besten Fall, hätte ich dann ein Menschenleben gerettet. Eine Mutter. Oder einen Vater. Oder ein Kind. Oder eine Ehefrau. Oder einen Ehemann. Oder…
Eure Cindy

Come fly with me…

Auch wenn meine Abenteuerlust und mein Drang, ständig Neues zu erleben und zu sehen, schon etwas nachgelassen hat – auch ich werde älter… und ruhiger – kann man mich ohne Weiteres als sehr reiselustig bezeichnen. Dabei gehe ich eher seltener an die Orte zurück, an denen ich schon mal war. Gibt schliesslich so viele Ecken auf dieser Welt, die ich (noch) nicht gesehen habe.

Diejenigen von euch, die mich schon seit meiner Langzeitsinglephase kennen, wissen, dass ich zu einer schönen Reise mit angenehmen Reisepartnern nie wirklich nein sagen konnte. Ich muss gestehen, ich war nicht ungerne Single. Keine Sorge, Flori. Ich bin noch viel, viel lieber Ex- Single. Da hat sich das „Warten auf den Richtigen“ doch mal gelohnt, wa?

Doch der Nachteil des unternehmungslustigen Singles ist es, geeignete Leute zu finden, die das ganze Zeug mitmachen. So gab es schöne, erinnerungswürdige Reisen und solche, auf die ich gerne verzichtet hätte. Eine gute Reise steht und fällt nun mal mit den Leuten, die einen begleiten. Man muss ähnlich ticken, ein ähnliches Nähe-Distanz-Bedürfnis haben, man sollte ein paar Interessen teilen und man muss kompromissbereit sein, wenn man sich mal nicht so einig ist. Einige dieser Reisen konnte unsere Freundschaften enorm vertiefen und man wuchs noch enger zusammen, andere Reisen zeigte ganz deutlich: „Dit is nüscht“ und so verlief nach der Heimkehr manchmal auch der Kontakt im Sande.

Es gab Orte, die hab ich mir in den Kopf gesetzt und arbeitete beharrlich darauf zu, diese Pläne in die Tat umzusetzen. Israel war so ein grosses Ziel. Und ein paar Mal hab ich mein Ding auch einfach ganz alleine durchgezogen. Nach Russland und Kenia reiste ich auf eigene Faust. Und kam glücklich und mit tausend verschiedenen Eindrücken und Erlebnisssen zurück.

Ich find es auch nicht selbstverständlich, dass man als Paar gut miteinander reisen kann. Flori und ich machten bisher einige kleinere Tripps. Ein langes Wochenende am Vierwaldstätter See, 4 Tage London und ein Tripp nach Berlin waren dabei. Ausserdem haben wir beide unsere „Jetzt-lerne-ich-mal-die-Schwiegereltern-kennen-und-gucke-wo-du-eigentlich-so-herkommst-Besuche“ absolviert. Ich im kapitalistischen Ausland und er in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone. Lief super! Wir haben uns alle lieb.

Als Pärchen harmonieren überall sehr gut. Wir gehen einfach mal davon aus, unseren idealen (Reise)partner gefunden zu haben. Wir ticken ähnlich, haben ein ähnliches Nähe-Distanz-Bedürfnis und teilen viele Interessen miteinander. Und wenn wir uns nicht einig sind, ist es zwar schade, aber dann müssen wir halt kompromissbereit sein. Immer eine viel bessere Strategie als Maulen!! Daran hat mich Flori auch schon mal erinnern dürfen.

Nächstes Jahr fliegen wir dann auch mal für eine etwas längere Zeit weg. Im Sommer nach Sardinien und im Herbst nach Asien. Eines hat sich übrigens noch bei mir geändert. Ich reise nicht mehr „mit leichtem Gepäck“ durch die Weltgeschichte. Denn egal wo ich bin, ich hab immer Emilys Gesicht vor Augen, in dem Momemt, wo sie merkt, dass sie wieder in der Tierpension gelandet ist! Is ja nich für lange…. Mama is bald wieder da.

Eure Cindy

Gästebuch

Vielleicht habt ihr schon gemerkt, dass sich auf unserer Webseite was geändert hat. Wir mussten leider das Gästebuch runternehmen, da wir in der letzten Zeit haufenweise Spameinträge bekamen. Wir haben zwar versucht, mit dem Anbieter eine Lösung zu finden, aber die meinten nur: „nüscht zu machen“. Sehr kunden- und lösungsorientiert!! Schade, dass Leute, die mit ihren spams nur stänkern und Probleme machen wollen, damit auch noch durchkommen.
 
Als Alternative, könnt ihr aber gerne die Gästebuch- und Kommentarfunktion in Floris blog benutzen. Dort bleiben wir hoffentlich von spams verschont!
Eure Cindy

„Auferstanden aus Ruinen….”

Heute feiert unser Land zum. 22. Mal den Tag der deutschen Einheit. In unserem Heim ist das natürlich besonders erwähnenswert, denn ohne die Ereignisse in Leipzig, Berlin und in der Prager Botschaft von 1989 hätten sich Flori und ich sicher niemals kennen gelernt. Im Büro sitzt mir übrigens ein Zeitzeuge gegenüber. Patrick kommt aus Westberlin und war am Tag des Mauerfalls hautnah dabei. Er war sogar einer der Glücklichen, die ganz oben auf der Mauer am Brandenburger Tor Platz nehmen und jubeln konnten.

Im August 1961 (meine Oma war zu dem Zeitpunkt mit Mama im 7. Monat schwanger) wurde quasi über Nacht die Mauer hochgezogen. Organisatorisch eine bemerkenswerte Aktion. Menschlich eine Katastrophe. Der Osten und der Westen waren getrennt. Seit Jahren nach dem Krieg schon politisch geteilt, nun auch per „Staatsgrenze“. In den Jahren danach verloren über 1000 Menschen (Dunkelziffer sicher viel höher) beim Versuch, aus dem Osten zu fliehen, ihr Leben. Es gibt zu viele Geschichten über Spionage, Gewalt, Folter, Zwangsadoptionen ect, von Leuten und Familien, die nicht ins Konzept der SED passten. Einige Fluchtversuche und gelungene „Ausreisen“ wurde sogar verfilmt.

Eine sozialistische Dikatatur war geboren. In meinen ersten beiden Schuljahren begrüssten wir die Lehrer mit Pioniergruss. Zum Fahnenappell trugen wir unsere Pionieruniformen. Und Erich Honecker zierte mit seinem Konterfei unser Klassenzimmer. Wie sagte Walter Ulbricht so schön? „ Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“. Ah ja!

Aus der Zeit der Wende weiss ich nicht mehr viel. Ich war ja erst 8 Jahre alt. Aber ich kann mich daran erinnern, dass wir plötzlich keine Pioniere mehr waren und dass die Buntstifte und Hefte auf einmal viel schöner aussahen. Unsere einheitlichen Sportuniformen durften wir daheim lassen. Die Schulmilch gab es von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Und nach einem Jahr wurde unsere Pestalozzi Oberschule in ein Gymnasium umfunktioniert. Neues Schulsystem halt. Ich kam in eine brandneue Grundschule. Da waren die Buntstifte und Schulhefte aber auch toll.

Ohne die Wende hätte ich viele Dinge nicht tun können. Mir steht die ganze Welt offen. Davon haben viele DDR-Bürger über 40 Jahre lang geträumt. Ich muss zugeben, ich bin recht stolz auf meine Herkunft. Ein bisschen gesunder Patriotismus ist erlaubt. Ein bisschen Spass auch. Und so nenne ich Flori manchmal liebevoll meinen „Klassenfeind“. Er darf mich auch so oft er will „Ossi“ nennen, ohne dass es Ärger gibt. Unsere Antwort auf alles mögliche lautet übrigens: „Wir hatten ja damals nüscht….“.
Heute Abend stossen wir mit einem Gläschen Wein an. Prost, Genossinnen und Genossen! Auf euch, auf uns und auf unsere schöne, gesamtdeutsche Beziehung.
Mit sozialistischem Gruss
Eure Cindy