Archive | August 2012

Auswandern

Und wieder einmal ist es passiert, ich hatte eine Unterhaltung mit einem Einheimischen. Das mag für Aussenstehende unspektakulär klingen, aber hier in der Schweiz ist das ähnlich wie in Franken (da wo ich aufgewachsen bin) – Ohne Stallgeruch keine Kommunikation.
Jetzt könnte man sagen, dass nach 12 Monaten im Land, ohne nennenswerter längerer Pause, sich bereits eine Nuance dieses Geschmacks an mir festgesetzt hat … nein. Gut Ding will Weile haben. Vielleicht lag es auch an dem Umstand, dass das Gespräch beim Grillieren (DE:Grillen) auf einem Gestüt mit  ca. 30 Rossen (DE:Pferden) stattgefunden hat und mir mein Kollege (DE:Kumpel/Freund) vorher eine Führung durch die offen gehaltene Herde gegeben hat … egal.
Auf jeden Fall waren wir gemütlich zusammen gesessen und haben uns unterhalten. Nachdem ich ein wenig über mein Leben erzählt hatte, dass ich aus DE komme und nun wegen der Arbeit in CH lebe kam die Frage wie aus dem Nichts: „Bischt denn so richtig Uusgwanderet?“
Die Interpretation seines Gesichts hat mich grob auf die Entgleisung meines Gesichts schliessen lassen, aber die Situation konnte doch noch gerettet werden … wir haben das Thema gewechselt.

Seither stelle ich mir immer wieder die Frage, ab wann man eigentlich ausgewandert ist. Muss man eine bestimmte Zeit in einem fremden Land leben? Muss man einen anderen Pass haben? Reicht die Absicht nicht mehr zurück zu wollen?…

Dass ein Expat nicht als Auswanderer zählt, und ich denke das hat der Kollege beim Grillieren auch gemeint, ist klar. Er hat einen zeitliche begrenzten Aufenthalt vor sich und das Rückflugticket bereits unter dem Kopfkissen. Es an dem Erhalt der Staatsbürgerschaft fest zu machen halte ich auch für fragwürdig. Klar ist es ein deutliches JA zum neuen Land, wenn man seinen alten Pass abgibt und sich durch die Strapazen des Einbürgerns quält. Trotzdem gibt es viele Personen, die sich dieses Prozedere gespart haben und dennoch (für mich) als ausgewandert gelten.

Abschliessend konnte ich dir Frage für mich noch nicht klären, aber vielleicht könnt ihr mir ja in einem Kommentar eure Meinung mitteilen.

Knofi find ich gut!

Meine liebe Bekannte Stephanie kommt eigentlich aus Würzburg, hat sich aber vor vielen Jahren in einen hübschen ‚GI‘ verguckt, ging mit ihm in die USA und wohnt nun in der Nähe von Chicago. Aber ab und zu wird per Telefon geschnattert und alle Neuigkeiten ausgetauscht. Bei der Gelegenheit nennt sie Flori öfter mal…. passt auf…… jetzt kommt’s….. ready?…… Achtung:Knoblauchbauer!!!

Die Lachkrämpfe ihrerseits, die diese kleine Spitze aus der unterfränkischen Nachbarschaft mit sich bringen, verschweige ich lieber. Vielleicht treffen die beiden sich ja mal.
Aber hey?… Warum eigentlich Knoblauchbauer??? Und so begann meine Recherche in für mich völlig unbekannte, fränkische Geographien. Es gibt es tatsächlich: dieses „Knoblauchsland“. Lt. franken-wiki.de, nuernbergwiki.de (wusste auch nicht, dass es das gibt) & ganz normalem Wiki befindet sich dieser geschichtsträchtige Gemüseacker im Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen. Zum ersten Mal im 8. Jahrhundert erwähnt, hat es in den letzen Jahrzehnten leider an Grösse eingebüsst. Irgendwo muss ja gebaut werden. Möbelhäuser und Gewerbegebiete versprechen halt mehr Profit als Wirsing, Rettich und Spargel. Aber es wird noch tapfer (nicht mehr von Markgrafen und Burgherren, sondern von den Gemeinden im Knoblauchsland) verteidigt. Und so wird das Gemüse aus der Region weiter fleissig angebaut, in Gewächshäusern und auf freien Feldern.

Das Gebiet verdankt der Zwiebelzucht seinen Namen. Der Nürnberger Stadtschreiber Johannes Müllner drückte sich um 1600 so aus:
„Und diese … Flecken und Dörfer liegen alle zwischen den Wald und der Rednitz gegen der linken Hand, welcher Traktus insgeheim das Knoblachsland genennet wird, aus Ursach, dass viel Zwieffel und Rubsamen gebauet und von hinnen in fremde Land verführt … und damit große Hantierung getrieben wird.“ Aha! Tüchtig tüchtig.

Ich hab die Landkarten übrigens ganz genau studiert. Floris Örtchen liegt leider ausserhalb der Grenzen. Aber wenn Stephanie zum nächsten telefonischen Kaffeeklatsch ruft, wird sie trotzdem wie immer fragen: „Na, was macht dein Knoblauchbauer?“
Eure Cindy

Ein Jahr ohne Kippe!

Vor genau einem Jahr hab ich aufgehört zu rauchen. Ich hatte zwar davor schon ein paar Mal gesagt: „das war die letzte Zigarette…“, aber lange blieb ich meinem neuen Standpunkt nicht treu. Ich hab nie viel geraucht, vielleicht so 2-3 am Tag von den weissen Kent (das ist die leichteste Zigarette dieser Marke). Aber als dann Flori ins Haus zog, und wir viele, viele Abend auf dem Balkon sassen, Wein tranken und redeten, merkte ich, wie mein Zigarettenkonsum drastisch anstieg. Im August 2011 fragte ich mich ernsthaft, was es mir bringt. Nichts. Im Gegenteil. Es nimmt mir Zeit, Geld, meinen frischen Atem und sicher auch die Gesundheit. Manchmal, wenn ich etwas zuviel rauchte, wurde mir sogar schwindelig.
Also entschloss ich mich aufzuhören. Aber man hat den Griff zur Zigarette so automatisiert, dass man gar nicht drum herum kommt, ans Rauchen zu denken. Psychologen sagen, es dauert 21 Tage, um eine alte Gewohnheit abzulegen oder eine neue einzuführen. Grosszügig gab ich mir selber 90 Tage. Ich zählte jeden Tag ohne Kippe, und kam ohne Rückfall bei dieser goldenen Marke an. Die ersten Tage taten weh, nach etwa 30 Tagen hab ich nicht mehr so oft dran denken müssen und ab dem 60. Tag wars mir schon egal.
Die angebrochene Packung hab ich übrigens erst vor ca. 3 Wochen weggeschmissen. Als ich anfing, für den Umzug zu packen.
Bleibt rauchfrei!!
Eure Cindy

Lernen fürs Leben

Gegen Ende meines heutigen Bürotags war es mal wieder Zeit für etwas Süsses. Selecta sei Dank ist der Futterautomat in einer Entfernung, die weit genug für ein wenig Beine vertreten, aber immer noch näher als das hausinterne Fitnessstudio ist. Also … den unterzuckerten Traumkörper aus dem Bürostuhl gepellt, die AMEX und das Handy im Hosensack versenkt und ab auf die Jagd.
Der Prozess, um den Automaten seine schmackhaften Leckereien zu entlocken ist durch regelmässiges wiederholen nicht nur gelernt sondern verinnerlicht.
Karte durchziehen … Nummer tippen … in die Hocke gehen (die Knie knacken erbärmlich)… Beute entgegennehmen
Um 1.8 SFr leichter, aber um eine Tüte Gummibären reicher, geht es zurück an den Arbeitsplatz. Die Jagd war erfolgreich, keine nennenswerten Verletzungen und auch der Automat hat diesmal keinen Häger gehabt. Also Tüte aufreisen und schön langsam ein Gummibärchen nach dem anderen in den Mund. Nach dem Fünften sind die Kaumuskeln soweit trainiert, dass auch zwei auf einmal zermalmt werden können … herrlich.
Nach ein paar Minuten ist es dann auch schon vollbracht, die Tüte ist leer. Zufrieden lasse ich meine Geschmacksknospen noch die letzten Spuren der natürlichen Aromenabsorbieren, greife zu meiner Wasserflasche und nehme ein paar kräftige Schlücke. Bereits beim Absetzen der Flasche ereilt mich eine Kindheitserinnerung.
Ihr kennt das Experiment mit dem Gummibären im Wasserglas? Jetzt nehmt ca 100 Bären und 0.6L Wasser, dann habt ihr meinen Magen. Resultat: mir ist schlecht. Mit 31 hätte man das wissen können, aber die Urinstinkte der Jad sind doch tiefer verankert, als Erinnerungen der Kindheit.
Um positiv aus dem Erlebnis zu fliehen, stemple ich es als Lernen durch Schmerzen ab, allerdings habe ich das leichte Gefühl eines Déjavues und glaube nicht, dass der Schmerz gross genug war, um es zu verinnerlichen

LG
Florian

Homeoffice: Fluch oder Segen

Heute Morgen musste mein Auto zum Service, was ich gleich als Vorwand genommen habe, einen Tag Homeoffice einzuelgen.

Homeoffice … arbeiten von zu Hause … schon irgendwie komisch. Bin mir noch immer nicht sicher, wie ich es zuordnen soll. Mal die ganzen komischen Chatanfragen “wo bist du?”, “Warum bist du online” oder mein Favorit “?” (kurz, pregnagt, sagt einfach alles) mal ausser Acht gelassen ist es ja eigentlich schon mehr Arbeitgeber als Arbeitnehmerfreundlich.

Ich benutze meinen privaten Strom, trinke mein privates Wasser, nutze die Bandbreite meines privaten Internets und das mit der Toilette lassen wir unkommentiert. Nespresso wird es denke ich auch nichts ausmachen, ob ich mir die Kapseln im Büro oder daheim in die Maschine lege, hauptsache das schwaze Gold wird konsumiert … und das in Mengen :-)

Trotzdem ist es mir immernoch ein Rätsel, warum einen die Kollegen im Büro komisch ansehen, wenn man laut darüber nachdenkt, einen Tag von zu Hause aus zu arbeiten. Ausser dem Polo, welches ich anstatt dem gebügelten Hemd (danke Cindy an dieser Stelle) anhabe ist alles gleich! Ich bin meine 10h online und kann dank modernster Technik auch mit meinem USB-Kopfhörer telefonieren.

MEIN Vorteil liegt auf der Hand, ich spare mir 2x1h Zugfahrt und habe niemanden, der unangemeldet an meinem Schreibtisch steht und komische Fragen stellt.

Egal, ich denke mir jetzt noch ein paar schnippische Antworten aus, für meinen nächstenHomeoffice Einsatz und belasse es jetzt auch dabei. Was denkt ihr über Homeoffice?

Mach’s gut, geliebtes Sofa…

Tja, wir hätten wohl beide nicht gedacht, dass wir so schnell fündig werden. Im Mai entschieden wir uns, zusammen zu ziehen. Und schon Ende Juni hielten wir aufgeregt die unterschriebenen Mietverträge in den Händen. Aus zwei 3.5-Zimmer-Wohnungen mach eine 4.5. Soweit der Plan.

Da kommen dann unerwartet Momente auf einen zu, in denen man wirklich lernt, was Kompromisse sind. Sein Esstisch und die passenden Stühle dazu dürfen mit, dafür bleibt mein komplettes Schlafzimmer in unserem Besitz. Mein Wohnzimmertisch darf reisen (seiner auch, aber der wird wohl die Ländergrenze im Norden passieren und zurück in seine alte Heimat gehen.) Natürlich kommt Floris gigantischer TV ins neue Wohnzimmer. Das war gar kein Thema. Und gegen seine 3000-CHF-LED-Hypa-Coole-Männer-Wohnwand hatte mein 300 CHF Ahorn-Bausystem leider keine Chance.
Das erste nicht mehr benötigte Möbelstück wurde gestern vom neuen Besitzer abgeholt und beim Abschied standen mir die Tränen in den Augen. Mein wunderschönes, knallrote Sofa musste gehen. Okay, es hätte farblich nicht mehr gepasst und musste debhalb weichen, aber fair is das doch nicht. Hilft aber alles nix… also…bye bye geliebtes Sofa… wir hatten tolle 5 Jahre miteinander!
Emily darf sich auch freuen. Die bekommt einen nagelneuen, riesigen Kratzbaum (in grau – passend zum „neuen“ Sofa).
Bei Deko, Gardinenwahl und all den tollen Dingen, wo die weibliche Hand Wunder wahr werden lässt und die männliche Hand nur zerstört, hab ich freie Wahl! Somit ist die Niederlage, die ich beim Sofa erleben musste, wieder wettgemacht. Es steht 1:1, Schatz!!
Mitte September gehts dann in den Endspurt. Drückt uns die Daumen, dass alles gut geht. Denn bis dahin müssen wir noch viel entscheiden, packen, aussortieren, entsorgen, reparieren…
Wir zählen die Tage und freuen uns sehr auf unser erstes gemeinsames Liebesnest!
Eure Cindy